EXPERIMENT
In unseren Experimenten geht es nun darum, aus der Routine herauszukommen, sie aufzubrechen und womöglich dafür zu sorgen, dass das Hirn seine Gewohnheiten und verhärteten Neuronennetze zu lockern und teilweise aufzulösen beginnt. Je mehr unser Gehirn in Routinen erstarrt, desto stärker altert es, weil es keinen Anlass sieht, seine Zellen zu erneuern und zu verjüngen. Aus diesem Grunde gibt es Monat für Monat eine Übung!
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Die Tai Ji-Prinzipien und wie sie wirken
Quelle: Dr.Peter Wolfrum - taiji@dalue.de - www.dalue.de
aus: Taijiquan Prinzipien / ISBN: 978-3-8391-6398-6
Im Taijiquan dienen Formen und Techniken im Wesentlichen dazu, sich der zugrunde liegenden Prinzipien bewusst zu werden. daher werden im Folgenden fünf grundlegende Prinzipien einführend erläutert und anschließend ihre Bedeutung in der Kampfkunst Taijiquan verdeutlicht.
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Die Prinzipien:
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SONG ( Entspannung; überflüssige Entspannung loslassen )
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STRUKTUR ( Aufrichtung, Zentrierung und zentrales Gleichgewicht )
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YIN und YANG ( Leere und Fülle )
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BEWEGUNG AUS DER MITTE ( Innere, verbundene Bewegungen )
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WU WEI ( Handeln durch Nicht-Handeln )
Bei der Wirkungsweise der Prinzipien geht es weniger um die Anwendung einer Technik, als vielmehr um die langfristige Umprogrammierung anerzogener Reaktionautomatismen. Damit rücken neben der rein körperlichen Anwendung der Prinzipien auch zunehmend die damit verbundenen psychischen Aspekte in den Fokus. Es geht darum, sich unreflektierte, anerzogene automatisierte Körperreaktionen und Verhaltensweisen bewusst zu machen und langfristig im Sinne der Taijiquan-Prinzipien zu verändern.
Dieser "Betriebsystemwechsel" erfordert eine regelmäßige und intensive Auseinandersetzung mit den Prinzipien auf tiefer körperlicher Ebene. Ein rein interlektuelles Verständnis reicht nicht aus!
Die Prinzipien bauen aufeinander auf und jedes "höhere" Prinzip schließt die "tieferen" ein. Für jedes höhere Prinzip wird das vorhergehende benötigt. Das erste Prinzip SONG ist die Grundlage und Voraussetzung für alle weiteren Prinzipien. darauf aufbauend fügen wir eine bestimmte STRUKTUR hinzu, ohne überflüssige Spannung aufzubauen. Struktur ohne SONG entspricht nicht mehr den Taijiquan-Prinzipien. danach lernen wir YIN und YANG zu unterscheiden.. Dies gelingt unter Berücksichtigung der ersten beiden Prinzipien SONG und STRUKTUR und macht unsere Mitte deutlich spürbar. Damit fügen wir dann als viertes Prinzip die BEWEGUNG AUS DER MITTE hinzu, die wiederum nur entspannt, strukturiert und Yin und Yang unterscheiden. All das zusammen kann dann zum WU WEI führen, dem naturgemäßen, prozessorientierten, egolosen Handeln.
Die Auseinandersetzung der Prinzipien und deren Anwendung, kann nach einiger Zeit auch außerhalb des Taijiquan-Übens fortwirkt, kann der Transfer in den Alltag gelingen. Immer mehr Tätigkeiten und Verhaltensweisen werden entsprechend den Taijiquan-Prinzipien gestaltet.- Zunächst bewusst gesteuert zu Trainingszwecken- später automatisiert!
( SONG ) Entspannung, überflüssige Spannung loslassen
Unter dem chinesischen Begriff Song versteht man "Loslassen, Entspannen". Das beeinhaltet die Aufgabe aller überflüssigen für eine bestimmte Struktur nicht notwendige Spannung im Körper. Der kontinuierliche Prozess von muskulären und mentalem Entspannen initiiert ein inneres Sinken und unterstützt die Entwicklung des Taiqiquan so wichtigen Verwurzelns.
Aus einer aufgerichteten Position heraus wird die Körpermuskulatur von den Füßen beginnend aufwärts steigend möglichst entspannt. Diese innnere Entspannung fließt wie Wellen immer wieder von neuem von den Füßen aufsteigend durch den Körper bis zum Kopf. Gleichzeitig beginnt der Körper auch psychisch zu sinken. Man nimmt den bewussten Kontakt mit der tragenden Erde auf und spürt die eigenen Wurzeln in der Erde. Die Grenze zwischen unserem Körper und der Erde verschwimmt., wir können die Einheit mit der Erde spüren. Mit dieser Verwurzelung kann uns keine externe, isolierte Krafteinwirkung mehr trennen, da wir alle auf uns einwirkende Kraft in die Erde weiterleiten. Gleichzeitig können wir für unsere Aktivitäten die Energie der Erde anzapfen, sofern wir mit ihr bewusst verbunden bleiben und keine ego-zentrische Ziele verfolgen, da sonst die Einheit mit der Erde unterbrochen wird. Erst durchAn- und Verspannungen, und damit Widerstand, gibt man dem Gegner etwas in die Hand,mit dem er auf unser Zentrum einwirken kann. Diese Hilfe sollte man einen Angreifer nicht gewähren.
Taijiquan Klassiker:
"Wenn man die Kraft entlädt, sollte der Körper entspannen und sinken"
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Struktur (Aufrichtung, Zentrierung, zentrales Gleichgewicht)
Gesundheitswirkung:
Der wichtigste Lerneffekt für die Gesundheitspflege entwickelt sich aus der zunehmenden Fähigkeit in einem Feld der Schwerkraft die eigene Struktur möglichst ökonomisch aufrecht zu halten und bewegen zu können. bei zivilisatorischen Fehlhaltungen bietet das Tai Chi sodie Möglichkeit, die Muskeln ausgleichend zu fördern und unterstützt dadurch flexibel mögliche Haltungskorrekturen. Ganz allgemein wird somit das Körperbewusstsein und Gleichgewichtssystem geschult. Im psychologischen Sinne kann man lernen, dass man für andere sicht -und spürbar sein muss, um seinen Standpunkt entspannt einnehmen und vertreten zu können.
Anwendung im Alltag:
Ganz allgemein hilft dieses Prinzip, mit einer gesunden Körperhaltung, nämlich einer, die sich selbst trägt, durch den Alltag zu gehen. Gelingt es auch noch die Gedanken entspannt zu ordnen wie der Körper, so unterstützt dies eine strukturierte Alltagsbewältigung und hilft effektiver zu kommunizieren. In Kombination mit dem ersten Prinzip Song gelingt es in alltäglichen Konfliktsituationen zunehmend besser, entspannt und gleichzeitig strukturiert imGleichgewicht zu bleiben. Instinktive Flucht oder Angriff werden bald überflüssig.
Yin und Yang
Leere und Fülle
Dieses Prinzip hat die Kampfkunst Taijiquan ihren Namen zu verdanken. Das Taiji stellt die Einheit der ihm innewohnenden Polaritäten Yin und Yang dar. Diese ergänzen und bedingen sich gegnseitig, können nicht isoliert werden und sind daher untrennbar miteinander verknüpft. Es ist notwendig einerseits klar zwischen Leere ( Yin ) und Fülle ( Yang ) zu differenzieren und anderseits die jeweilige Polarität zum Taiji zu ergänzen zu können, und zwar im eigenen Körper, sowohl auch als Einheit mit einem Gegner.
In der Interaktion mit einem Gegner steht die Yin- Qualität für die Fähigkeit auf einen Angriff mit Nachgeben reagieren zu können und damit den Druck ins Leere laufen zu lassen, bzw. die Energie aufzunehmen und umzulenken oder in die Erde abzuleiten. In dem Maße, indem sich daraufhin das Yang des Angreifers erschöpft und er sich zurückziehen muss ( Yin-Phase ), wandelt sich das eigene Yin schließlich zum Yang. Nun folgt die eigene Expansionsbewegung, der "Yang-zu-Yin" Umkehrpunkt des Angreifers wird genutzt um die entstehende Leere sofort mit zuvor entliehener Energie aufzufüllen und den Gegner wenn möglich zu entwurzeln.
Die Anwendung des Yin/Yang-Prinzips in der Kampfkunst bedeutet den Versuch, mit dem Gegner das Taiji zu bilden, d.h. die Yin-oder Yang- Energie des Angreifers zu neutralisieren, indem man die Position der jeweils anderen Polarität einnimmt, so dass sich in der Einheit der beiden Partner die Kräfte zum Taiji ergänzen. Wenn der Partner Yin ist, ergänze durch Yang zum Taiji, wenn der Partner Yang zeigt, ergänze durch Yin zum Taiji. Zu jedem Zeitpunkt sollen Yin und Yang zum Taiji ergänzen.
..Die Interaktion von Yin und Yang zum Taiji hilft uns, in Konfliktsituationen die Gegensätze zu transzendieren und zu erkennen, dass die beiden Konfliktpositionen zwei Spezialfälle eines übergeordneten größeren Ganzen sind, sich gegenseitig bedingen und nicht unabhängig voneinander existieren können.
In der nächsten Folge..... Bewegung aus der Mitte